MAUTHE, Jörg / FLORA, Paul: Wien für Anfänger

Wien für Anfänger
Wien für Anfänger

Worum es geht:
Wien für Anfänger führt den Leser in zehn Lektionen durch Wien und seine kulturellen Besonderheiten. Die Beschreibungen werden durch praktische Übungen und zahlreiche Vokabeln des Wienerischen ergänzt. Karikaturen, gezeichnet von Co-Autor Paul Flora, lockern das Erscheinungsbild auf.

Interessant:
Eine Mehlspeise in Wien kann ohne das geringste bißchen Mehl auskommen, denn Mehlspeise bedeutet dort allgemein eine Süßspeise. (S. 35*)

Fundstück I:
Im Buch fand ich einen Zeitungsausschnitt der WELT vom 30.08.1978. In der Rubrik „Hätten Sie’s gewußt?“ steht dort, dass die ersten Kaffeehäuser nicht in Wien, sondern 1555 in Konstantinopel, 1652 in London und 1679 in Hamburg eröffnet wurden.

Wichtig zu wissen:
Wer in Wien einen „Pfiff“ bestellt, bekommt einen Achtelliter Bier. (S. 35 *)

Fundstück II:
Ein weiterer Zeitungsausschnitt im Buch, vom 06.05.1976, Zeitung unbekannt, berichtet über die Sonderschau aller österreichischen Orden, gezeigt im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien. Sie finde großes Publikumsinteresse.

Viel spannender ist aber die Rückseite des Zeitungsschnipsels. Hier wird vermeldet, …

  • …, dass ein Münchener Millionendieb auf Mallorca verhaftet wurde.
  • …, dass der deutsche TÜV eine Zunahme der Mängel an Autos von 1,3 % festgestellt hat, wobei die Zahl der als unsicher eingestuften Fahrzeuge um 25 % zurückging.
  • …, dass die Krimiautorin Agatha Christie ein Vermögen von DM 500.000.- (nach Steuerabzug) hinterlassen hat.
  • …, dass 3500 Teilnehmer des Berliner Sängerfestes aus Mangel an Hotelzimmern in zwei Atombunkern untergebracht werden sollen.

Wien-Lexikon:
Die Autoren empfehlen Wien von A bis Z von Hermann Hakel. „Es enthält alles, was über eine Traumstadt an Faktischem ausgesagt werden kann.“ (S. 79 *)

Oh, du lieber Augustin…
Einer Wiener Legende zufolge entstand das Kinderlied „Oh, du lieber Augustin, alles ist hin…“ während der Wiener Pestepedemie von 1679. Der Liebe Augustin war ein Heurigensänger, der seinen Rausch versehentlich in einer Pestgrube ausgeschlafen hatte. In Pestgruben wurden die Leichen der Pestopfer erst gesammelt, um sie später mit Erde zu bedecken. Als er am nächsten Morgen merkte, wo er da übernachtet hatte, soll er „Oh, du lieber Augustin, alles ist hin…“ gesungen und so dieses Lied in die Welt gebracht haben. Doch obwohl Augustin die Nacht zwischen zahlreichen Pesttoten verbracht hatte, blieb er heil, gesund und ohne Ansteckung. (S. 58 *)

Was schön ist:
Das vorgestellte Buch ist in der gezeigten Form zwar nur noch antiquarisch erhältlich, doch es gibt eine Neuauflage. Der Titel lautet nun Wien für Anfänger. Vorläufige Bruchstücke zum Entwurf einer Skizze über Land und Leute. Es ist 2016 als Haymon Taschenbuch erschienen. Titel und Umschlag haben sich verändert, doch im Inneren gibt es noch immer zehn Lektionen, Übungen und die Karikaturen der Originalausgabe. Ob und wieweit das Zahlenwerk überarbeitet wurde, weiß ich nicht.

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* MAUTHE, Jörg / FLORA, Paul: Wien für Anfänger. Ein Lehrgang in 10 Lektionen. Mit vielen Zeichnungen von Paul Flora. (Diogenes Tabus), (4. Aufl.), Zürich: Diogenes, 1959